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Sonnenaufgang überm Selztal: Die Welt ist im Wandel #12SunriseRheinhessen

Auf der Höhe von Zornheim in Rheinhessen blicke ich auf das Selztal mit Selzen, Hahnheim und Wahlheimer Hof. Um 8:18 Uhr geht die Sonne auf.

Es ist 6 Uhr am Morgen des 16. Januar 2017, ein Montag. Ich schaue kritisch aus dem Fenster unserer Wohnung in Selzen. Eben noch konnte ich den hellen Mond sehen, jetzt ist er wieder von den Wolken verdeckt. So geht das ständig. Ich bin müde. Außerdem ist es kalt da draußen. Heute will ich eigentlich mein erstes Foto für mein Fotoprojekt #12SunriseRheinhessen machen. „Nein!„, entscheide ich mich. Morgen ist auch noch ein Tag.

Um kurz nach halb Acht fahre ich doch los. Ich habe mich warm angezogen und warme Funktionsunterwäsche an. In meinem Rucksack habe ich meine Sony-Kamera RX100 IV*, mein Sirui-Stativ T-004KX* und eine Thermoskanne mit heißem Kaffee. Bei Mommenheim stelle ich fest, dass ich mein Smartphone vergessen habe. „Blöd“ denke ich mir. Aber jetzt noch einmal umdrehen und zurückfahren? Dafür reicht die Zeit nicht. Ich biege ab und fahre weiter nach Zornheim. Durch Zornheim fahre ich an den Ortsrand und zu dem im letzten Kriegsjahr 1918 errichteten Zornheimer Ruhkreuz. Auf ihm steht:

Vor Pest, Hunger und Krieg bewahre uns o Herr.

Gegen 8 Uhr stelle ich am Kreuz den Wagen ab. Die letzten etwa 300 Meter den Hügel hinauf lege ich zu Fuß im leichten Trab zurück. Vorbei geht es an den zwei großen Windrädern zum Hang. Dann endlich bin ich auf der Zornheimer Höhe und baue das Stativ vor einer Bank an einem kleinen Baum auf. Es ist kalt. Ich bin nervös. Verdecken die Wolken die Sonne? Wird es wieder schneien?

Die Kamera ist bereit. Ich habe die Auslöseverzögerung auf 2 Sekunden gestellt, die Belichtungskorrektur steht zunächst einmal auf -1. Bei ein paar Probeaufnahmen wechsele ich zwischen Zeit- und Blendenautomatik hin und her, um dann wieder auf Zeitautomatik zu wechseln. Mit oder ohne Graufilter? Vielleicht doch im manuellen Modus fotografieren? Später werde ich mich beim Fotografieren irgendwann auf die Zeitautomatik und eine Blende von 8 oder 10 festlegen. Den Graufilter lasse ich drin. Mit der Belichtungskorrektur spiele ich ein bisschen herum und habe dann meistens -1,7. Da ich mein Smartphone eh nicht dabei habe, bleibt mir nur die Auslöseverzögerung. Vielleicht hätte ich ansonsten die Fernsteuerungsapp verwendet.

Über mir ist eine große Wolkendecke, aber über Selztal, Selzen, Hahnheim und Wahlheimer Hof hinweg kann ich in der Ferne ein dunkles, ganz dünnes Band am Horizont erkennen: Den Odenwald. Zwischen mir und dem Odenwald liegen ein paar der tausend Hügel, die Rheinterrassen und die Rheinebene. Zwischen den Horizont und die Wolkendecke hat sich eine Lücke geschoben, die immer größer wird. Es ist viertel nach Acht. Eigentlich ist es ziemlich hell. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass fast überall eine Raureifschicht den Boden bedeckt. Sogar ein bisschen Schnee ist dabei.

Um 8:18 Uhr soll die Sonne aufgehen. Vier Minuten habe ich noch. Kaffee, ich brauche Kaffee. Ich spiele mit dem Selbstauslöser herum und schieße ein paar Selfies.

Warten auf den Sonnenaufgang überm Selztal
Warten mit Kaffee auf den Sonnenaufgang überm Selztal

Am Horizont zwinkert irgend etwas in Gelb-Orange. Nein, es ist noch nicht der Sonnenaufgang. Die Sonne scheint da hinten unterm Horizont und beleuchtet ein paar Wolken.

Kurz vor dem Sonnenaufgang überm Selztal
Kurz vor dem Sonnenaufgang überm Selztal

Auf vielen Hügeln stechen die Windräder hervor. Im Land der tausend Hügeln weht meistens der Wind, und die Windräder drehen und versorgen uns dann mit Strom. Jetzt scheinen sie überall still zu stehen. Alles ist so still.

Sonnenaufgang überm Selztal: Die Welt ist im Wandel

Sonnenaufgang überm Selztal #12SunriseRheinhessen
Sonnenaufgang überm Selztal: Die Welt ist im Wandel #12SunriseRheinhessen

Der Horizont wird immer goldener und dann rötlich. Über den Horizont dringt die goldene Kugel empor und überzieht das Selztal mit ihren Strahlen. Auf der Erde die raureifen Felder und Häuser. Darüber die goldene Kugel und der rötlich-strahlende Himmel. Sie verdrängen gemeinsam die dicke fette böse Wolkenschicht.

Jeden Augenblick müssen da unten Horden von Orks in Panik vor dem Licht flüchten. Ich kneife die Augen zusammen. So ein Quatsch, hier gibt es nur uns Rheinhessen. Pest, Hunger, Krieg und Orks haben hier nichts mehr zu suchen. Schon lange nicht mehr.

Sonnenaufgang überm Selztal
Sonnenaufgang überm Selztal

Ich springe wie ein kleines Kind herum und freue mich wie verrückt. Auf dem Boden unten im Tal und in der Ferne scheint es leicht diesig zu werden. Ich stelle das Stativ dorthin und dahin und dorthin, probiere verschiedene Stellen aus und knipse, knipse, knipse. Ich blicke leicht nach rechts und versuche den Petersberg zu erkennen. Nach links, da ist irgendwo Mommenheim.

Selztal - Hahnheim und Wahlheimer Hof
Selztal – Hahnheim und Wahlheimer Hof, und in der Ferne so ein bisschen der Petersberg
Sonnenaufgang überm Selztal - Blick in Richtung Mommenheim
Sonnenaufgang überm Selztal – Blick in Richtung Mommenheim

Später, zurück in der Wohnung, werde ich merken, dass es 174 Fotos wurden.

Nach und nach wird es heller, die Wolken ziehen sich teilweise zurück und geben den Blick auf einen blauen Himmel frei. Aber irgendwie wird der Blick ins Selztal wenig klarer, der Dunst scheint sogar noch zuzunehmen. In der Ferne schieben sich doch noch Wolkenschleier vor die Sonne. Das Licht sorgt für eine mystische Stimmung.

Sonnenaufgang überm Selztal mit Baum und Bank
Sonnenaufgang überm Selztal mit Baum und Bank

Wieder wechsle ich den Standort des Stativs. Der Baum, zusammen mit der Bank und meinem Rucksack, fesselt meine Aufmerksamkeit.

Sonnenaufgang überm Selztal - Bank, Rucksack und Thermoskanne
Sonnenaufgang überm Selztal – Bank, Rucksack und Thermoskanne
Sonnenaufgang überm Selztal - Bank, Rucksack und Thermoskanne
Sonnenaufgang überm Selztal – Bank, Rucksack und Thermoskanne
Sonnenaufgang überm Selztal - Bank, Rucksack und Thermoskanne
Sonnenaufgang überm Selztal – Bank, Rucksack und Thermoskanne

Ich gehe etwas zurück und blicke ins Tal. Unter mir liegen von links nach rechts liegen die Ortschaften Selzen, Hahnheim und Wahlheimer Hof. Um Hahnheim herum schlängelt sich die Selz, auf der anderen Seite des Selzbogens liegt Selzen.

Selzen, Hahnheim und Zornheim (© OpenStreetMap-Mitwirkende)
Selzen, Hahnheim und Zornheim (© OpenStreetMap-Mitwirkende)

Hier oben bin ich von Weinbergen umgeben. Nahezu der ganze Hang bis zum Selztal hinunter ist mit Weinbergen bedeckt. Unter mir am Hang liegen die Weinlagen Osterberg, Gottesgarten und Knopf. Irgendwo hier in der Nähe ist eine Art „Dreiländereck“, vielleicht stehe ich sogar direkt auf ihm. Hinter mir ist die Gemarkung Zornheim, rechts unter mir befindet sich die Gemarkung Hahnheim mit der Weinlage Hahnheimer Knopf. Links davon liegt die Selzer Gemarkung, am Hang liegen die beiden Weinlagen Gottesgarten und Osterberg.

Sonnenaufgang überm Selztal - Hahnheim, Wahlheimer Hof
Sonnenaufgang überm Selztal – Hahnheim, Wahlheimer Hof
"Dreiländereck" Zornheim, Selzen, Hahnheim (© Google)
„Dreiländereck“ Zornheim, Selzen, Hahnheim (© Google)

Im Sommer und im Herbst ist hier alles grün. Jetzt, im Winter sind die Weinberge und langen Triebe kahl. Irgendwann höre ich ein regelmäßiges Zirpen. Zunächst denke ich daran, dass das Windrad über mir vielleicht unrund läuft. Da wird mir ganz anders – doch das Windrad dreht sich nach wie vor nicht. Dann sehe ich einen Winzer ganz langsam den Weinberg heraufkommen. In seiner Hand hat er eine Rebschere. Immer wieder beugt er sich zu den Trieben und schneidet sie ab. Bis zum Jahreswechsel haben sich die Triebe beruhigt, und sie wachsen nicht mehr. In den Monaten Januar und Februar schneiden die Winzer die Triebe zurück, bei Wind und Wetter. Zwei Wochen später werde ich bei einer Wanderung in der Mommenheimer Gemarkung im Gespräch mit einem Winzer erfahren, dass die Rebscheren heutzutage alle elektrisch betrieben werden. Am Rücken an einem Gurt tragen die Winzer einen Akku, der bei aktuellen Modellen die Rebschere zwei Tage lang mit Strom versorgt. Jedes Mal beim Schneiden zirpt der Elektromotor. Ich werde den Winzer am frühen Nachmittag treffen, er wird dann schon seit dem frühen Samstagmorgen die Reben schneiden. Sein Arbeitstag beim Rebschneiden dauert 10 bis 12 Stunden.

Im Tal bleibt es diesig. In der Ferne kann ich jetzt etwas deutlicher den Petersberg bei Gau-Odernheim erkennen. Bei klarem Blick könnte ich nicht nur den Petersberg sondern auch im Selztal das Naturschutzgebiet „Hahnheimer Bruch“ und in der Ferne in der Pfalz den Donnersberg erblicken. Ich blicke noch einmal auf Selzen und lasse mich von der Sonne blenden.

Mystisch: Sonne überm Selztal und Selzen
Mystisch: Sonne überm Selztal und Selzen

Inzwischen ist es schon 9 Uhr. Je nachdem, in welche Richtung ich blicke, ist es dort taghell mit einem blauen Himmel oder diesig, fast düster. Hinter mir, links von Zornheim, hat sich eine große Wolkenlücke gebildet. Am blauen Himmel scheint der Mond.

Mond über Rheinhessen - Bank, Rucksack, Thermoskanne
Mond über Rheinhessen – Bank, Rucksack, Thermoskanne

Mir ist kalt, und ich bin glücklich. Nach und nach, etwas widerwillig, packe ich meine Sachen in den Rucksack. Mit ihm auf dem Rücken schlendere ich zurück zum Auto. Von unserem Zuhause in Selzen aus ist es zu Fuß den Hang hinauf bis zur Bank etwa eine dreiviertel Stunde, gejoggt sind es sogar nur 20 Minuten.

Dieses Jahr noch werde ich wieder von dieser Bank aus den Sonnenaufgang beobachten. Irgendwann im Sommer gegen 5:20 Uhr in Shorts und Aloha-Shirt.

Rheinhessen und der Weinanbau

Der Weinbau hat in den letzten Jahrhunderten wie fast ganz Rheinhessen auch Selzen, Hahnheim und Wahlheimer Hof (ein Ortsteil von Hahnheim) geprägt. In Rheinhessen gibt es fast 3.000 Winzer. Wie in vielen der rheinhessischen Gemeinden gibt es auch in Selzen und Hahnheim einige Weingüter. Das Weinanbaugebiet Rheinhessen ist mit etwa 26.000 Hektar Rebfläche das größte Weinanbaugebiet Deutschlands und gliedert sich in die drei Bereiche Bingen, Nierstein und Wonnegau mit insgesamt 24 Großlagen. Selzen und Hahnheim liegen in der Großlage „Gutes Domtal“, das im Bereich Nierstein liegt.

Großlage ist eine Herkunftsbezeichnung beim Weinbau. Sie ist nach dem deutschen Tafelwein und dem Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (QbA) die drittgrößte Einheit, um die Herkunft eines Weines aus Deutschland zu bestimmen. Sie bezeichnet fast immer die Zusammenfassung mehrerer Einzellagen eines bestimmten deutschen Anbaugebietes. Es gibt derzeit knapp 170 (Stand 2004) Großlagen in Deutschland, die durchschnittlich 600 Hektar groß sind.

(Seite „Lage (Weinbau)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 13. Oktober 2016, 19:20 UTC. (Abgerufen: 28. Januar 2017, 10:29 UTC))

Der Weinanbau hat in Rheinhessen eine rasante Entwicklung hinter sich. Noch in den sechziger Jahren waren es nur etwa 15.000 Hektar Rebfläche in Rheinhessen. Früher ging es zunächst um die Abdeckung der Grundbedürfnisse, der Weinanbau war oft ein Zubrot in der Landwirtschaft. Mit der Zunahme der Produktivität in der Landwirtschaft (wie durch Mechanisierung und Automatisierung) wurden zunehmend landwirtschaftliche Flächen für den Weinanbau verwendet. Aber auch dort nahm die Produktivität zu.

Heutzutage wird kaum noch mit der Hand gelesen. Die Traubenlese in den Weinbergen erfolgt nun mit Erntemaschinen („Vollernter“). Die sind zwar teuer, aber Personal für die Handlese ist noch teurer und schwerer zu finden. Im Vergleich zu den menschlichen Erntern „rasen“ die Vollernter geradezu durch die Weinberge. Viele Vollernter werden von größeren Weinbauern oder von Institutionen vermietet, so dass sie sich lohnen. Während der Weinlese fahren die Vollernter nahezu rund um die Uhr durch die Weinberge. Inzwischen gibt es auch Vollernter für Steillagen, so ein Teil kostet aber auch 250.000 bis 300.000 Euro.

Die Weinlese ist im Herbst. Früher waren es oft Schüler, die „in den Herbst gingen“. Die Schulen klärten die Termine für die Herbstferien mit den Winzern. Dann konnten nämlich die Schüler in den Herbstferien „in den Herbst gehen“ (die Herbstferien dauerten ganz früher auch drei Wochen!). So ging auch Manuela, die in Bingen aufwuchs, in den Herbstschulferien noch „in den Herbst“.

Um wirtschaftlich zu sein, braucht ein Weingut eine Mindestgröße. Weingüter, die ihren Wein als Fasswein vermarkten, brauchen etwa 20 Hektar Rebfläche. Fasswein wird oft an große Einkäufer wie Discountketten vermarktet, direkt, über Genossenschaften oder über Handelskellereien. Der Winzer spart sich damit viel Arbeit, er braucht aber auch mehr Menge. Insbesondere große Genossenschaften oder Handelskellereien können entsprechend auftreten und große Mengen anbieten. Die Einkäufer beispielsweise aus dem Discounthandel wiederum versuchen dann den Preis zu drücken, weil sie eine große Menge abnehmen. Bei der Fassweinvermarktung spielen Einzellagen keine Rolle. Eine Einzellage bringt nicht genügend Menge, um beispielsweise bei einem Discounter bundesweit im Regal zu stehen.

Winzer mit Flaschenweinvermarktung füllen ihre Weine selbst (oder über eine Dienstleistung) in Flaschen und verkaufen den Wein in Flaschen. Sie müssen ihren Wein, ihr Weingut und sich selbst vermarkten. Der Winzer und sein Weingut werden zur Marke. Die Flaschenetiketten müssen entworfen werden, die Weinkarte und Flyer müssen gedruckt werden. Die Winzer verkaufen ihren Wein oft selbst im Hof an die Kunden und haben dazu eine eigene Vinothek. Der Aufwand ist höher als bei der Fassweinvermarktung, aber bei der Flaschenweinvermarktung reichen etwa 9 bis 10 Hektar für den Hof, damit er wirtschaftlich ist. Inzwischen gibt es in Rheinhessen aber auch Supermärkte mit Flaschenweinen von regionalen Winzern.

Die rheinhessischen Winzer erzeugen im Durchschnitt der Jahre [1999 – 2009 – Anm. d. Verf.] rund 2,6 Mio. Hektoliter Wein, die zu über 80 % als Qualitätswein vermarktet werden. Die Handelskellereien insgesamt hatten im Jahr 2009 hiervon einen Anteil von 78,7 %, die direktvermarktenden Weingüter von knapp 20 %. Erzeugergemeinsachaften und Winzergenossenschaften haben in Rheinhessen eine untergeordnete Bedeutung.

(Weinwirtschaftsbericht 2010, Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland Pfalz)

Viele Weingüter mit Flaschenweinvermarktung haben eine Gutsschänke oder eine Straußwirtschaft, in der sie ihre Weine und Speisen anbieten. Gutsschänken sind Gewerbebetriebe mit entsprechenden Konzessionen und Abgaben. Eine Straußwirtschaft hingegen hat im Allgemeinen nur kleine Speisen und nur geöffnet an einer beschränkten Anzahl von Tagen pro Jahr. Die Regelungen sind je nach Bundesland unterschiedlich.

Eine Straußwirtschaft ist ein in Deutschland (speziell in der Pfalz, Rheinhessen und im Rheingau) von Winzern und Weinbauern saisonal geöffneter Gastbetrieb, in dem die Erzeuger zu bestimmten Zeiten ihren selbsterzeugten Wein direkt vermarkten. … In Straußwirtschaften oder ihren lokalen Varianten werden kleinere zum Wein passende Tellergerichte (z. B. eingelegter Handkäse mit Zwiebeln und Brot, im Rheingau auch „Handkäs mit Musik“ genannt, Hausmacher Wurst, Zwiebel- oder Speckkuchen und andere einfache Spezialitäten) gereicht. Eine geöffnete Straußwirtschaft ist an einem ausgesteckten Zweig, Besen, Kranz oder einem ähnlichen zeichenartig aufgestellten Utensil zu erkennen.

[…]

Eine Straußwirtschaft ist grundsätzlich mit dem Ausschank von selbst erzeugtem Wein durch einen Winzer in dessen Räumen oder Weinkeller verbunden. Die Straußwirtschaft fällt nicht unter den Begriff des Gewerbes und ist daher erlaubnis- und abgabenfrei. Die Erlaubnisfreiheit liegt jedoch nur vor, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, die in den Bundesländern teilweise unterschiedlich geregelt sind, aber in wesentlichen Punkten übereinstimmen …

(Seite „Straußwirtschaft“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 5. August 2016, 19:46 UTC. (Abgerufen: 29. Januar 2017, 09:18 UTC))

Hektar? Hektoliter?

Ich tue mich immer schwer mit Angaben wie Hektar oder Hektoliter. Ein Hektar (hundert Ar) ist

… eine Maßeinheit der Fläche mit dem Einheitenzeichen ha. Sie ist vor allem in der Land- und Forstwirtschaft verbreitet und entspricht einer Fläche von 10.000 m², also beispielsweise einem quadratischen Feld mit der Seitenlänge 100 Meter.

(Seite „Hektar“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 28. Januar 2017, 20:52 UTC. (Abgerufen: 29. Januar 2017, 11:01 UTC))

20 Hektar beispielsweise entsprechen 200.000 m2 oder auch 0,2 Quadratkilometer. Das wäre eine Fläche mit einer Breite von 100 Metern und einer Länge von 2 Kilometern.

Ein Hektoliter ist schon einfacher. Ein Hektoliter sind einfach nur 100 Liter. 2,6 Mio. Hektoliter sind 260 Mio. Liter (260.000.000 Liter)

Selzen

Zum Sonnenaufgangsfoto fuhr ich von Selzen aus mit dem Auto hoch. Von der Bank an dem kleinen Bäumchen aus konnte ich die Ortschaft Selzen (Wikipedia) leicht links unter mir sehen. Selzen liegt etwa 12 Kilometer südlich von Mainz und hat etwa 1.500 Einwohner.

Selzen wurde erstmals im Jahre 782 urkundlich durch eine Schenkung an das Kloster Lorsch erwähnt – wie so viele Orte im rheinfränkischen Kulturkreis. Seit dem Jahr 1954 führt die Gemeinde Selzen ein eigenes Wappen, das auf das alte Gerichtssiegel zurückgeht. Das Wappen zeigt in schwarzem Feld den kurpfälzischen, goldenen, rotbewehrten Löwen, der in der erhobenen Pranke den Schlüssel des Wormser Domstifts hält. Diese Kombination weist auf die zwei „Herren“ des Ortes hin, die Kurpfalz und das Wormser Domstift.

[…]

Dem „Selzer Frosch“ wurde 1996 am Radweg der ehemaligen Bahntrasse Alzey-Bodenheim ein „Denkmal“ gesetzt, welches von dem damaligen Mainzer Oberbürgermeister Jockel Fuchs der Bevölkerung übergeben wurde. Die „Selzer Frösche“ gehen auf die Legende zurück, dass die Selzener Bevölkerung zur Sicherung des Schlafes der Ortsherrschaft mit Stangen auf das Wasser der Selz habe schlagen müssen, um die Frösche am Quaken zu hindern.

(Selzen im Überblick)

Das Thema „Selzer Frosch“ begegnet einem hier in Selzen des Öfteren, beispielsweise auf dem Deckblatt der Kerbezeitung im letzten Jahr. Ich bin ein Zugezogener, also bin ich vermutlich kein Selzer Frosch. Andererseits dürfte ich damit auch von der Pflicht, mit Stangen auf das Wasser der Selz schlagen zu müssen, befreit sein. Von Zuhause aus habe ich nur wenige Hundert Meter bis in die Weinberge. Die drei Einzellagen Selzens

  • Rheinpforte (im Südosten von Selzen, nicht wie ich ursprünglich fälschlicherweise „im Südwesten“ schrieb),
  • Osterberg (im Norden von Selzen) und
  • Gottesgarten (im Nord-Nordwesten von Selzen)

gehören zur Großlage „Gutes Domtal“.

Gutes Domtal: Nieder-Olm, Lörzweiler, Nackenheim, Schwabsburg, Dexheim, Dalheim, Weinolsheim, Friesenheim, Undenheim, Köngernheim, Selzen, Hahnheim, Sörgenloch, Zornheim, Mommenheim

(Seite „Rheinhessen (Weinanbaugebiet)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. Oktober 2016, 15:19 UTC. (Abgerufen: 29. Januar 2017, 09:33 UTC))

Links unter mir am Hang konnte ich die Einzellage Gottesgarten sehen, weiter links davon liegt die Lage Osterberg. Als ich über Selzen hinweg blickte, dann schaute ich nicht nur in die Sonne sondern auch auf die Lage Rheinpforte. (obwohl ich sie in dem Dunst nicht erkennen konnte).

Hahnheim und der Wahlheimer Hof

Von meinem Ausblick aus sah ich rechts von Selzen die Ortschaft Hahnheim (Wikipedia). Hahnheim liegt gegenüber von Selzen auf der anderen Seite der Selz und hat ebenfalls etwa 1.500 Einwohner. Der Wahlheimer Hof gehört zu Hahnheim.

Die früheste Besiedlung ist durch archäologische Funde aus der Bronze- und Eisenzeit belegt. Ein wieder entdeckter Brunnen verweist auf die Zeit der Römer. Am 12. Juni 764 wird das fränkische Gut Hahnheim, wie im Lorscher Kodex nachzulesen ist, dem Kloster Lorsch vermacht. Das Kloster Lorsch tritt seine Rechte an der Siedlung dann im 12. Jahrhundert an verschiedene Lehnsherren ab.

[…]

Dem Ort in westlicher Richtung vorgelagert liegt der Wahlheimer Hof (erstmals erwähnt im 10. Jhd.). 1277 richtet das Zisterzienserkloster Eberbach (Rheingau) einen Wirtschaftshof in Wahlheim ein. Hierzu gehören Wohn- und Wirtschaftsgebäude, Mühle, Abthaus und Zehntscheuern. Von dort aus wurden die umliegenden Besitzungen der Zisterzienser bewirtschaftet. Die offene Bauweise eines solchen Weilers ist im Wahlheimer Hof noch recht gut zu erkennen.

(Die Geschichte Hahnheims)

Hahnheim hat nicht nur seine Weinlage Hahnheimer Knopf sondern sogar ein kleines Renaissanceschlösschen.

Wie ich mein Foto geplant habe

Uhrzeiten und Positionen für Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge, Mondaufgänge und Monduntergänge sowie die Sonnenposition für eine bestimmte Uhrzeit lassen sich auf der Website „The Photographer’s Epiphermis (TPE)“ (Link zu Uhrzeiten/Positionen am 16. Januar 2017) oder mit deren iOS- oder Andoid-App ermitteln.

The Photographer's Epipermis (Screenshot)
The Photographer’s Epipermis (Screenshot)

Die Bedeutung der Farben;

  • Hellorange: Sonnenaufgang.
  • Mittelorange: Sonnenposition zu einer bestimmten Uhrzeit.
  • Dunkelorange: Sonnenuntergang.
  • Hellblau: Mondaufgang.
  • Dunkelblau: Monduntergang.

Durch die Zeiten und Positionslinien lassen sich mögliche gute Positionen für das Schießen eines Fotos ermitteln.

Blickwinkel, die Gegend, Straßen, Bebauung, Bepflanzung etc. lassen sich mit Google Maps 2D und Google Maps 3D überprüfen. Insbesondere in der 3D-Sicht sind mögliche Hindernisse, Höhenlagen und Blickwinkel gut zu erkennen.

Google 3D: Blick auf Selzen, Hahnheim, Selztal, Rheinebene und Odenwald (© Google)
Google 3D: Blick auf Selzen, Hahnheim, Selztal, Rheinebene und Odenwald (© Google)
Google 3D: Blick auf Zornheim, Rheinebene und Taunus im Norden (© Google)
Google 3D: Blick auf Zornheim, Rheinebene und Taunus im Norden (© Google)

Grenzen, Markierungen, Gemarkungen, Hindernisse wie Stromleitung etc. lassen sich sehr gut mit OpenStreetMap klären beziehungsweise überprüfen. Auf OpenStreetMap sind oft auch die Weinlagen gekennzeichnet.

Danksagungen

Mein Dank gilt diesen Personen für ihre Unterstützung:

  • Hans Richard Binzel, ein „Selzer Frosch“. Er nahm sich die Zeit, um mich mit Auskünften und Hintergrundinformationen zum Weinanbau in Rheinhessen, Selzen und Hahnheim zu versorgen.
  • Ein Winzer aus Lörzweiler, den ich vergessen habe nach seinem Namen zu fragen. Manuela und ich trafen ihn bei einer Winterwanderung an seinem Weinberg bei Mommenheim. Er erklärte uns das Rebschneiden sehr anschaulich.
  • Stephan Wiesner, der Fotograf, der niemals schläft. Durch ihn kam ich überhaupt auf die Idee zu meinem Fotoprojekt für 2017 #12SunriseRheinhessen. Auch der Tipp für TPE ist von ihm.
  • @DieManuela, die mich in meiner Bloggerei seit 12 Jahren unterstützt und mich auch in meinem Fotoprojekt #12SunriseRheinhessen bestätigte.

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About the author

Ich bin Frank Hamm und entspanne und genieße beim Wandern, Joggen, Genießen, Reisen. Ich schreibe als Der Entspannende und Der Schreibende sowie im INJELEA-Fachblog. Beruflich bin ich Unternehmensberater für Kommunikation und Kollaboration. Ich bin noch unterwegs auf Twitter, Facebook, Instagram und Pinterest. Mit „frank@derentspannen.de“ erreicht Ihr mich per E-Mail.

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