Der Entspannende - Entspannen bei Wandern, Genuss und Kultur in Rheinhessen und der Welt.
Rheinterrassenweg bei Oppenheim
Rheinterrassenweg bei Oppenheim

Heute ist der große Tag: Meine mehrtägige Wanderung des Rheinterrassenwegs von Worms nach Mainz beginnt.

Was wie eine abgedroschene Phrase klingt (und vermutlich auch eine ist), lässt meine Nervösität doch leicht ansteigen. Während dieser Artikel „online geht“ sitze ich hoffentlich im Bus zwischen Selzen in Rheinhessen und dem Mainzer Hauptbahnhof. Nichts wäre peinlicher, als den Bus zu verpassen. Immerhin töne ich seit Ende Juli davon, dass ich mich zu diesem Unterfangen entschlossen habe. Ich habe – nicht zuletzt auf meiner Probewanderung – die Packliste meiner Ausrüstung mehrfach geprüft, verändert und schließlich für gut befunden. Zwangsweise, denn heute geht es schließlich los. Wie für so viele Gelegenheiten lässt sich auch hier sicher irgendeines der Parkinsonschen Gesetze anwenden. In meinem Fall würde ich eines etwa so formulieren:

Der Aufwand für eine Aufgabe (hier: Ausrüstung zusammenstellen) wächst expotentiell mit der Anzahl der Tage, die hierfür zur Verfügung stehen.

Insofern bin ich froh, dass ich nur knapp 30 Tage zur Verfügung hatte. Meine erste Routenplanung habe ich schon am 7. August abgeschlossen. Diese Planung hat sich erstaunlicherweise als recht solide erwiesen. Und ich hoffe natürlich, dass sich meine Planung weiterhin als valide erweist.

Etwa 84 Kilometer an 4 Tagen in 4 Etappen an den Weinberghängen entlang von Worms nach Mainz. Okay, ein kleiner Abstecher nach Hamm am Rhein ist dabei 😉

  • 22. August: Anreise mit Bus und Bahn von Selzen zum Hauptbahnhof in Worms. (ab 08:33 Turnhalle, Selzen (Bus 660), an 09:05 Hauptbahnhof Mainz, ab 09:13 Mainz Hbf – Gleis 6a (RE 4491), an 09:40 Worms Hbf – Gleis 2, Dauer: 1:07)
  • 22. August: 1. Etappe von Worms nach Hamm am Rhein, Übernachtung in der Pension Linde (renoviertes Bauernhaus)
  • 23. August: 2. Etappe von Hamm am Rhein nach Guntersblum, Übernachtung im Pfälzer Hof (Hotel, Restaurant)
  • 24. August: 3. Etappe von Guntersblum nach Nierstein, Übernachtung im St. Urbanshof (Weingut, Gutsschenke)
  • 25. August: 4. Etappe von Nierstein nach Hechtsheim
  • 25. August: Rückreise am von Hechtsheim mit dem Bus nach Selzen (ca. 20 Minuten)

Aber irgendwas ist ja immer. Ich könnte mir den Knöchel verstauchen. Ich könnte nette Leute treffen. Ich könnte während einer Etappe plötzlich einen Abstecher laufen, weil nirgendwo stand, dass da ein wundervoller Ausguck (gerne auch eine Straußwirtschaft) ist. Ich könnte mir Blasen an den Füßen laufen. Es könnte gewittern. Donald Trump könnte vorzeitig US-Präsident werden. Aber „Life happens“. Irgendwann ist Schluss mit lustiger Planung, irgendwann fängt das Leben an. Und das Leben selbst ist zwar nicht immer lustig, aber es ist immer abwechslungsreich. Auch wenn ein verstauchter Knöchel nicht gerade das ist, was ich auf meiner Wanderung erfahren möchte, so gibt es viele, viele Dinge, die plötzlich vor mir stehen und mir sagen: „Ich bin jetzt da, mach mit mir etwas!“.

Ich bin sicher, dass es darauf ankommt, was man mit solchen Situationen macht. Viele (ach, eigentlich die meisten) Situationen in meinem Leben waren plötzlich nicht nur einfach da, sondern sie waren für mich per se positiv. Andere waren weniger gut oder sogar schrecklich. Aber auch bei allen möglichen schlechten oder schrecklichen Dingen gilt es, damit umzugehen. Ich kann mich trotzig geben und darauf zu bestehen, meine Suppe nicht zu essen. Oder ich esse sie einfach und versuche dabei, sie zu entdecken. Wenn ich schon nicht verhungern will (und das will ich nicht), und die Suppe darauf besteht, von mir gegessen zu werden, dann will ich wenigstens etwas davon haben. Das Leben erzieht einen das ganze Leben lang. Aber irgendwann sollte man lernen, selbst zu lernen und nicht die Suppe so auszulöffeln, wie die Suppe das vielleicht will. Sondern so, wie man (hier: ich) das will. Genug phantasiert. Ich werde meine Wanderung genießen, komme, was da wolle.

Immerhin bekam ich in der kurzen Zeit auch Tipps wie den für das Trinksystem. Und das Internet ist eine nahezu unerschöpfliche Quelle für Tipps, Tricks, Hinweise, Tutorials in Text- und in Videoform. Aber viel wird irgendwann zuviel. Ich könnte jetzt mit dem Pareto-Prinzip kommen (tue ich auch). Aber einfach ausgedrückt: Irgendwann läuft der Kopf über. Du musst einfach nur den Punkt erkennen, bei dem Du ein einigermaßen gutes Gefühl hast und sagst: Damit komme ich gut zurecht. Übrigens zehre ich immer noch von meiner Offizierausbildung vor über 35 Jahren: Dort lernte ich viele Dinge, die mich immer noch und wieder begleiten. Dort hörte ich zuerst vom Paretoprinzip. Oder auch von der Bernoullischen Energiegleichung, die mir hilft, Manches besser zu verstehen (beispielsweise, warum Flugzeuge nicht vom Himmel fallen). Oft ist Wissen zunächst unnütz (oder erscheint zumindest so). Oft wird es aber plötzlich relevant oder zumindest hilfreich. Manchmal viele Jahre später.

Blöd ist nur, dass keiner im Voraus weiß, was davon unnütz und was davon nützlich sein wird. Früher war das vielleicht einfacher, aber auch nicht wirklich zuverlässig. Und heutzutage? Wer weiß schon, was wir heute für in 20 Jahren lernen sollten.

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

(verschiedenen Quellen zugeschrieben)

Also geht es mir darum, nicht nur beabsichtigtes Lernen zu akzeptieren sondern auch unbeabsichtigtes Lernen zu akzeptieren und zum Teil meiner eigenen lebenslangen Erziehung zu machen. Und wenn schon unnützes und nützliches Zeugs dabei ist (und wenn manche Erfahrung auch unangenehm ist): Warum nicht das Beste daraus machen? Oder noch besser: Warum das Leben nicht genießen, so es irgendwie geht?

Gerade jetzt genieße ich es, am Samstag Morgen vor meiner Rheinterrassenwanderung diesen Artikel bei einer Tasse Kaffee im Bett zu schreiben. Als ich den Artikel begann, wollte ich nur irgendwie beschreiben, dass es am Montag losgeht. Tja, und irgendwie wurde der Artikel etwas anders. Aber so ist das Leben.

Life happens. Und es ist gut so.

P.S. Ich werde von Montag bis Donnerstag wandern. Während meiner Wanderung werde ich vor allem zwei Dinge tun: Entspannen und Genießen. Gerne lasse ich Euch dabei auf Twitter und Instagram an meinen Entdeckungen und Erfahrungen teilhaben.

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About the author

Ich bin Frank Hamm und entspanne und genieße beim Wandern, Joggen, Genießen, Reisen. Ich schreibe als Der Entspannende und Der Schreibende sowie im INJELEA-Fachblog. Beruflich bin ich Unternehmensberater für Kommunikation und Kollaboration. Ich bin noch unterwegs auf Twitter, Facebook, Instagram und Pinterest. Mit „frank@derentspannen.de“ erreicht Ihr mich per E-Mail.
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